Screw the Roses, Send Me the Thorns: BDSM-Romantik oder veralteter Klassiker?
Screw the Roses, Send Me the Thorns von Philip Miller und Molly Devon gehört zu den bekanntesten englischsprachigen BDSM-Klassikern. Schon der Titel ist ein kleines Versprechen: weniger Kitsch, mehr Intensität. Weniger Rosen, mehr Dornen. Aber ist dieses Buch heute noch eine sinnvolle Empfehlung für Einsteigerinnen und Einsteiger? Oder merkt man ihm inzwischen zu deutlich an, aus einer anderen BDSM-Zeit zu stammen?
In dieser Rezension schauen wir uns an, was das Buch stark macht, wo es kritisch eingeordnet werden sollte und für wen sich der Kauf heute noch lohnt.
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Worum geht es in Screw the Roses, Send Me the Thorns?
Screw the Roses, Send Me the Thorns ist kein reines Technikbuch und auch kein nüchterner Sicherheitsleitfaden. Es ist eher eine Mischung aus Einführung, Erfahrungsbuch, Beziehungsratgeber und BDSM-Kulturgeschichte.
Das Buch behandelt Themen wie Dominanz, Unterwerfung, Schmerz, Lust, Vertrauen, Rollenbilder, Kommunikation und die emotionale Dynamik zwischen Menschen, die BDSM nicht nur als einzelne Praktik, sondern als erotisches Beziehungsspiel erleben.
Gerade dadurch unterscheidet es sich von eher praktischen Einsteigerwerken wie SM 101. Während SM 101 stärker wie ein Grundlagenhandbuch wirkt, hat Screw the Roses mehr Atmosphäre, mehr Haltung und mehr romantisch-dramatische BDSM-Ästhetik.
Das ist gleichzeitig seine Stärke und seine Schwäche.
Du suchst noch das passende Buch für Deinen Einstieg?
Diese Rezension ist Teil unserer Übersicht: BDSM-Bücher für Einsteiger – 10 Empfehlungen für Anfänger. Dort vergleichen wir alle vorgestellten Titel nach Zielgruppe, Schwerpunkt und Einsteigerfreundlichkeit.
Warum das Buch bis heute auffällt
Viele BDSM-Bücher versuchen, möglichst korrekt, neutral und erklärend zu sein. Screw the Roses, Send Me the Thornswirkt anders. Der Titel allein zeigt bereits, dass hier nicht nur über BDSM gesprochen wird, sondern über eine bestimmte Fantasie von BDSM: leidenschaftlich, intensiv, ein bisschen dunkel, ein bisschen theatralisch.
Das Buch vermittelt dadurch sehr gut, warum BDSM für viele Menschen nicht nur aus Techniken besteht. Es geht nicht bloß um Fesseln, Spanking oder Befehle. Es geht um Spannung. Um Vertrauen. Um das Spiel mit Macht, Hingabe und Kontrollverlust.
Wer verstehen möchte, warum Menschen Dominanz und Unterwerfung erotisch aufladen, findet ergänzend dazu auch unseren Artikel über die Psychologie von Macht, Kontrolle und Hingabe.
Die größte Stärke: BDSM als emotionale Dynamik
Die vielleicht wichtigste Qualität von Screw the Roses, Send Me the Thorns liegt darin, dass das Buch BDSM nicht auf einzelne Handlungen reduziert. Es geht nicht nur darum, was jemand tut, sondern was zwischen zwei Menschen passiert.
Das ist gerade für Einsteiger wertvoll. Denn viele Menschen starten mit der Frage: „Welche Praktiken gehören zu BDSM?“ Die spannendere Frage lautet aber oft: „Welche Art von Beziehung, Kommunikation und Vertrauen braucht es, damit BDSM sich gut anfühlt?“
Hier ist das Buch stark. Es zeigt BDSM als Beziehungsraum, in dem Hingabe, Kontrolle, Schmerz, Fürsorge und Begehren miteinander verschmelzen können. Damit passt es gut zu Themen, die wir auch in unseren Artikeln über Subspace und Domspace oder Aftercare im BDSM behandeln.
Denn guter BDSM endet nicht mit der letzten Handlung. Er beginnt oft schon lange vorher: bei Fantasien, Absprachen, Erwartungen und Grenzen.
Für wen ist das Buch geeignet?
Screw the Roses, Send Me the Thorns eignet sich besonders für Menschen, die BDSM nicht nur technisch, sondern emotional verstehen wollen.
Das Buch ist interessant für:
- Einsteigerinnen und Einsteiger, die BDSM als Beziehungsdynamik begreifen möchten
- Paare, die gemeinsam in Dominanz und Submission hineinfinden wollen
- Menschen, die sich für klassische BDSM-Literatur interessieren
- Leserinnen und Leser, die wissen möchten, wie BDSM früher vermittelt wurde
- Kink-Interessierte, die eine Mischung aus Anleitung, Haltung und Atmosphäre suchen
Weniger geeignet ist es für Menschen, die ein modernes, klar strukturiertes Sicherheitsbuch suchen. Wer vor allem konkrete Kommunikation, Konsensmodelle, Grenzen und Verantwortlichkeiten lernen möchte, sollte zusätzlich unbedingt moderne Ressourcen lesen — zum Beispiel unseren Artikel über Safewords und Kommunikation im BDSM.
Ist Screw the Roses heute noch zeitgemäß?
Hier wird es spannend. Denn das Buch ist ein Klassiker, aber Klassiker altern nicht immer gleich gut.
Viele ältere BDSM-Bücher stammen aus einer Zeit, in der BDSM stärker über feste Rollen, binäre Dynamiken und teils romantisierte Vorstellungen von Dominanz und Unterwerfung beschrieben wurde. Das kann reizvoll sein, aber aus heutiger Sicht auch begrenzt wirken.
Moderne BDSM-Kultur legt mehr Gewicht auf:
- ausdrücklichen Konsens
- klare Kommunikation
- psychologische Sicherheit
- Nachsorge
- Diversität von Rollen und Identitäten
- kritischen Umgang mit Macht
- weniger starre Vorstellungen von „Top“ und „Bottom“
Genau deshalb sollte man Screw the Roses nicht unkritisch als alleinigen Leitfaden lesen. Es ist eher ein historisch wichtiger BDSM-Klassiker, den man mit modernem Bewusstsein einordnen sollte.
Wer sich gezielt mit heutigen Erwartungen an Verantwortung in der dominanten Rolle beschäftigen möchte, findet in unserer Rezension zu The New Topping Book eine deutlich modernere Ergänzung. Für die empfangende Rolle passt außerdem unsere Rezension zu The New Bottoming Book.

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Romantik, Dornen und Machtfantasien
Der Titel Screw the Roses, Send Me the Thorns ist nicht zufällig so stark. Er spielt mit einem Kontrast, der im BDSM häufig vorkommt: Zärtlichkeit und Härte, Nähe und Distanz, Fürsorge und Kontrolle.
Viele BDSM-Fantasien leben davon, dass Gegensätze zusammenkommen. Schmerz kann lustvoll werden, wenn er eingebettet ist in Vertrauen. Demütigung kann erotisch wirken, wenn sie konsensuell und emotional sicher inszeniert wird. Kontrolle kann befreiend sein, wenn sie freiwillig abgegeben wird.
Diese scheinbaren Widersprüche machen BDSM für viele Menschen so faszinierend. Mehr dazu findest du auch in unserem Artikel über Sadomasochismus und die Verbindung von Schmerz und Lust sowie in unserem Beitrag über erotische Demütigung.
Screw the Roses trifft genau diesen Nerv. Es nimmt BDSM nicht nur als „Technik“, sondern als erotisches Drama ernst.
Was man kritisch sehen sollte
So charmant und atmosphärisch das Buch ist, man sollte es nicht ohne Einordnung lesen.
Aus heutiger Sicht können manche Darstellungen traditionell, romantisiert oder nicht mehr ganz auf dem Stand moderner Konsenskultur wirken. Das bedeutet nicht, dass das Buch wertlos wäre. Es bedeutet nur: Man sollte es nicht als endgültige Autorität lesen.
Gerade Einsteiger sollten bei älteren BDSM-Büchern immer im Hinterkopf behalten:
BDSM braucht keine geheimnisvolle Härte, um „echt“ zu sein. Dominanz ist kein Freibrief. Hingabe ist kein Verzicht auf Grenzen. Und eine intensive Fantasie ersetzt keine klare Absprache.
Das ist auch einer der Gründe, warum wir auf Kinky Culture immer wieder betonen: Konsens, Kommunikation und Nachsorge sind keine langweiligen Pflichtteile. Sie sind die Grundlage dafür, dass intensive Erfahrungen überhaupt sicher und schön werden können.
Unser Artikel über häufige BDSM-Mythen passt dazu besonders gut, weil viele Missverständnisse über BDSM genau dort entstehen, wo Fantasie und Realität verwechselt werden.
Vergleich mit anderen BDSM-Klassikern
Im Vergleich zu SM 101 wirkt Screw the Roses weniger wie ein nüchternes Einsteigerhandbuch und stärker wie ein Buch über BDSM als Lebensgefühl. Wer eine breite Einführung sucht, ist mit SM 101 wahrscheinlich strukturierter bedient.
Im Vergleich zu The New Topping Book ist Screw the Roses weniger modern in der Reflexion von Macht und Verantwortung. Es ist emotionaler, klassischer und stellenweise stärker von einer älteren BDSM-Ästhetik geprägt.
Im Vergleich zu The New Bottoming Book ist es weniger spezialisiert auf die innere Perspektive von Bottoms und Submissives. Dafür bietet es einen breiteren, atmosphärischeren Blick auf BDSM als erotisches Wechselspiel.
Kurz gesagt:
- SM 101: besser als strukturierter Einstieg
- The New Topping Book: besser für moderne Dominanz und Verantwortung
- The New Bottoming Book: besser für Hingabe, Grenzen und Bottoming
- Screw the Roses: stärker als klassischer, emotionaler BDSM-Text mit Atmosphäre
Was Einsteiger aus dem Buch mitnehmen können
Trotz aller kritischen Einordnung kann Screw the Roses für Einsteiger wertvoll sein. Besonders dann, wenn man es nicht als Regelbuch liest, sondern als Einladung, BDSM tiefer zu verstehen.
Das Buch vermittelt gut, dass BDSM nicht nur aus äußeren Handlungen besteht. Ein Schlag ist nicht automatisch BDSM. Eine Fessel ist nicht automatisch Hingabe. Ein Befehl ist nicht automatisch Dominanz.
Entscheidend ist die Bedeutung, die Menschen diesen Handlungen gemeinsam geben.
BDSM entsteht aus Absprache, Vertrauen, Fantasie und Resonanz. Genau dort wird das Buch interessant: Es zeigt, dass Erotik nicht nur körperlich funktioniert, sondern auch über Symbolik, Rollen, Erwartungen und emotionale Spannung.
Sollte man Screw the Roses, Send Me the Thorns heute noch lesen?
Ja, aber mit der richtigen Erwartung.
Screw the Roses, Send Me the Thorns ist kein perfektes modernes BDSM-Handbuch. Es ist kein aktueller Sicherheitsstandard und sollte nicht die einzige Quelle für Einsteiger sein. Aber es ist ein einflussreicher Klassiker, der viel darüber verrät, wie BDSM als erotische Kultur, Beziehungsspiel und Fantasieraum verstanden werden kann.
Wer BDSM nur praktisch lernen möchte, findet heute modernere und klarere Bücher. Wer aber verstehen will, warum dieser Klassiker so lange überlebt hat, warum der Titel so gut funktioniert und warum BDSM für viele Menschen auch etwas Romantisches, Dramatisches und Emotionales hat, wird hier fündig.
Gerade in Kombination mit moderneren Büchern kann Screw the Roses spannend sein. Es zeigt eine bestimmte Ära und Stimmung von BDSM — und lädt gleichzeitig dazu ein, diese aus heutiger Sicht neu zu bewerten.

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Fazit: Klassiker mit Dornen
Screw the Roses, Send Me the Thorns ist ein BDSM-Klassiker mit Charme, Haltung und Atmosphäre. Das Buch ist nicht in jeder Hinsicht modern, aber genau deshalb interessant: Es zeigt BDSM als emotionale, ästhetische und erotische Welt, nicht nur als Sammlung einzelner Praktiken.
Für Einsteiger ist es dann empfehlenswert, wenn sie bereit sind, ältere Perspektiven kritisch einzuordnen und zusätzlich moderne Texte zu Konsens, Kommunikation, Sicherheit und Aftercare zu lesen.
Als alleiniger Leitfaden wäre das Buch heute nicht meine erste Empfehlung. Als Klassiker, der BDSM-Romantik, Machtfantasie und Szenegefühl verbindet, bleibt es aber lesenswert.
Kurzurteil: Ein atmosphärischer BDSM-Klassiker, der heute vor allem als ergänzende Lektüre spannend ist — weniger als moderner Sicherheitsleitfaden, mehr als Einblick in die emotionale und romantische Seite von BDSM.
Häufige Fragen zu Screw the Roses, Send Me the Thorns
Ist Screw the Roses, Send Me the Thorns für BDSM-Anfänger geeignet?
Ja, grundsätzlich schon. Anfänger sollten das Buch aber nicht als einzige Quelle nutzen. Es eignet sich gut, um BDSM als emotionale und erotische Dynamik zu verstehen. Für moderne Sicherheits- und Konsensthemen sind zusätzliche Ressourcen wichtig.
Ist das Buch heute noch zeitgemäß?
Teilweise. Viele Grundgedanken zu Vertrauen, Intensität und Beziehung bleiben interessant. Manche Perspektiven wirken aus heutiger Sicht jedoch klassisch oder veraltet. Deshalb lohnt sich eine kritische Lektüre.
Gibt es das Buch auf Deutsch?
Das Buch ist vor allem als englischsprachiger BDSM-Klassiker bekannt. Wer lieber auf Deutsch liest, sollte ergänzend nach deutschsprachigen BDSM-Grundlagenwerken oder aktuellen Online-Ressourcen suchen.
Worin unterscheidet es sich von SM 101?
SM 101 ist stärker als praktisches Einsteigerhandbuch aufgebaut. Screw the Roses wirkt emotionaler, atmosphärischer und stärker auf die romantische Seite von BDSM ausgerichtet.
Für wen lohnt sich der Kauf besonders?
Das Buch lohnt sich für Menschen, die BDSM nicht nur technisch, sondern kulturell, emotional und beziehungsorientiert verstehen möchten. Besonders spannend ist es für Leserinnen und Leser, die sich für BDSM-Klassiker interessieren.
Teil unserer Buchübersicht
Die besten BDSM-Bücher für Anfänger
Diese Rezension ist Teil unserer Übersicht zu BDSM-Büchern für Einsteiger – mit Empfehlungen zu Grundlagen, Kommunikation, Dominanz, Hingabe, Sicherheit und ersten gemeinsamen Erfahrungen.
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