KitKatClub – Kinks of Berlin: Der legendärste Fetischclub Berlins kommt ins Kino
Mit „KitKatClub – Kinks of Berlin“ bekommt einer der bekanntesten sexpositiven Räume Europas einen eigenen Kinodokumentarfilm. Die Doku blickt auf Drag, BDSM, Dog Play, Ekstase, Einsamkeit und die Frage, was Freiheit eigentlich bedeutet, wenn sie nicht nur behauptet, sondern gelebt wird.
Berlin hat viele Mythen. Manche hängen an Betonfassaden, manche an Technobeats, manche an Türen, vor denen man nicht weiß, ob man hineinkommt. Der KitKatClub gehört zu diesen Orten, über die fast jeder schon einmal etwas gehört hat – selbst Menschen, die nie dort waren. Ein Club, der gleichzeitig Fetischraum, Technoinstitution, queerer Sehnsuchtsort, Touristenfantasie, Projektionsfläche und Reizthema ist.
Nun kommt dieser Ort ins Kino: „KitKatClub – Kinks of Berlin“ ist ein neuer Dokumentarfilm von Philipp Fussenegger, der die Welt des Berliner KitKatClubs nicht nur als grelles Nachtleben zeigt, sondern als sozialen, körperlichen und emotionalen Raum. Nach aktuellem Stand soll der Film am 10. September 2026 in Deutschland starten. Die FSK hat ihn bereits ab 18 Jahren freigegeben – mit den Zusatzhinweisen Drogenkonsum und Sexualität.
Das klingt zunächst erwartbar. KitKat, FSK 18, Sex, Drogen, Nachtleben – die Schlagworte liegen nahe. Interessant wird der Film aber dort, wo er offenbar mehr will als den nächsten Blick durchs Schlüsselloch.

Ein Film über Menschen, nicht nur über einen Club
Die Produktionsseite beschreibt „KitKatClub – Kinks of Berlin“ als filmische Erfahrung über Freiheit, Intimität, Identität, Sex und das Verlernen von Scham. Im Zentrum stehen nicht nur Clubgründer Simon Thaur oder die Geschichte des Hauses, sondern vor allem Menschen, die sich in und um diesen Raum bewegen.
Der Film begleitet unter anderem Tim alias Raven Van Krueger, der als Drag-Künstler durchstarten will. Er zeigt Elisa, die mit Freund*innen eine neue Sexualität entdeckt. Ein BDSM-Paar lebt seine Form von Nähe öffentlich. Ein Dog-Play-Duo bewegt sich zwischen Stabilität und Exzess. David kämpft mit Sucht. Dazu kommen Performances, Gespräche über Konsens, intime Begegnungen und private Momente.
Das ist für eine Dokumentation über den KitKatClub entscheidend. Denn der Club ist nicht nur wegen nackter Haut, Latex, Leder, Techno und sexueller Freizügigkeit interessant. Spannend ist er vor allem als Bühne für Menschen, die im Alltag oft zu viel, zu anders, zu laut, zu körperlich, zu queer, zu offen oder zu verletzlich wirken.
Der Film scheint genau diese Spannung zu suchen: Was passiert mit Menschen, wenn sie an einem Ort landen, an dem Scham nicht die Eintrittskarte ist, sondern eher das Gepäckstück, das man langsam ablegen darf?
Schwarzweiß statt Neonfantasie
Eine der auffälligsten Entscheidungen: Der Film ist in Schwarzweiß gedreht.
Das ist bemerkenswert, weil der KitKatClub im öffentlichen Bild oft mit Reizüberflutung verbunden wird: Neon, Körper, Schwarzlicht, Kostüme, Schweiß, Musik, Inszenierung. Schwarzweiß nimmt diesem Kosmos auf den ersten Blick genau das, was man erwartet. Statt bunter Exzessästhetik entsteht offenbar ein anderer Blick: körperlicher, grafischer, vielleicht auch melancholischer.
Das kann ein kluger Schutz gegen Voyeurismus sein. Wer einen Film über einen sexpositiven Fetischclub macht, steht immer vor einer schwierigen Frage: Zeigt man die Körper so, dass man sie versteht – oder so, dass man sie konsumiert? Schwarzweiß kann Distanz schaffen. Es kann den Blick beruhigen. Es kann Szenen, die sonst schnell wie Spektakel wirken würden, in Bilder von Nähe, Schatten, Form und Verletzlichkeit verwandeln.
Gerade für ein Thema wie Kink ist das interessant. Denn Kink lebt von Ästhetik, Rolle und Oberfläche – aber er endet nicht dort. Latex ist nicht nur Glanz. Eine Leine ist nicht automatisch Erniedrigung. Nacktheit ist nicht automatisch Freiheit. Und Exzess ist nicht automatisch Selbstverlust. Der entscheidende Punkt liegt oft darunter: in Vereinbarungen, Sehnsüchten, Grenzen, Macht, Vertrauen und der Frage, ob alle Beteiligten wirklich wissen, was sie tun.

Warum dieser Film mehr ist als eine Berlin-Postkarte
Der KitKatClub ist längst mehr als ein Club. Er ist ein Symbol. Für viele steht er für Berlin als Versprechen: Komm her, zieh dich aus, sei anders, sei laut, sei weich, sei hart, sei pervers, sei schön, sei hässlich, sei irgendetwas, aber sei nicht normal um jeden Preis.
Genau deshalb ist ein Film über diesen Ort kulturell relevant. Sexpositive Räume werden heute sichtbarer, aber auch stärker diskutiert. Sie gelten für manche als Schutzräume, für andere als Überforderung. Für manche sind sie Ausdruck sexueller Selbstbestimmung, für andere ein Beispiel dafür, dass Kink, Nacktheit und Sexualität zu weit in öffentliche oder halböffentliche Räume hineinrücken.
Diese Debatte ist nicht banal. Sie berührt eine Grundfrage: Wo darf Sexualität stattfinden – und unter welchen Bedingungen?
Der KitKatClub ist kein öffentlicher Stadtplatz. Er ist ein Club mit Tür, Regeln, Dresscode und Erwachsenenpublikum. Trotzdem wirkt er in die Öffentlichkeit hinein, weil er ein Bild von Freiheit produziert, das weit über seine eigenen Wände hinausgeht. Dieses Bild fasziniert, provoziert und verunsichert.
Ein guter Film über den KitKatClub müsste deshalb beides können: Er müsste zeigen, warum solche Räume für viele Menschen lebenswichtig sein können. Und er müsste zugleich ernst nehmen, dass Freiheit ohne Verantwortung schnell zur Pose wird.
Kink braucht Konsens, nicht nur Kulisse
Besonders interessant ist, dass der Film laut Produktionsangaben auch Gespräche über Konsens aufgreift. Das ist wichtig. Denn Kink ist nicht einfach „alles ist erlaubt“. Gerade BDSM, Fetisch und sexpositive Clubkultur funktionieren nur dann, wenn Grenzen nicht als Spaßbremse verstanden werden, sondern als Grundlage des Spiels.
Das gilt im Privaten ebenso wie in Clubs. Wer sich ausliefert, muss wissen, wem. Wer Macht abgibt, muss sicher sein, dass diese Macht nicht missbraucht wird. Wer beobachtet wird, muss damit einverstanden sein. Wer Grenzen setzt, muss gehört werden. Und wer in einem sexpositiven Raum unterwegs ist, trägt Verantwortung – nicht nur für den eigenen Kick, sondern auch für die Atmosphäre um sich herum.
Hier liegt vermutlich einer der stärksten Punkte des Films: Er zeigt Kink nicht isoliert als sexuelle Vorliebe, sondern als Beziehungsform. Als Versuch, mit Körpern, Rollen und Ritualen etwas auszudrücken, das im normalen Alltag oft keinen Platz findet.
Gleichzeitig darf man solche Räume nicht romantisieren. Sexpositive Kultur ist nicht automatisch sicher, nur weil sie sich als offen versteht. Auch dort gibt es Hierarchien, Gruppendruck, Grenzverletzungen, Drogen, Machtmissbrauch, Unsicherheiten und Menschen, die sich in ihrer Suche nach Freiheit verlieren können. Ein erwachsener Blick auf Kink muss diese Ambivalenz aushalten.

Zwischen Befreiung und Eskapismus
Die interessanteste Frage an „KitKatClub – Kinks of Berlin“ lautet vielleicht nicht: Wie wild ist dieser Club?
Die bessere Frage lautet: Was suchen Menschen dort?
Suchen sie Sex? Sicher auch. Suchen sie Aufmerksamkeit? Manchmal. Suchen sie Gemeinschaft, Bestätigung, Mut, Rausch, Identität, Berührung, eine neue Haut? Wahrscheinlich all das.
Ein Ort wie der KitKatClub kann für manche Menschen ein Befreiungsraum sein. Ein Ort, an dem Körper nicht sofort bewertet werden wie im Fitnessstudio, Datingprofil oder Büro. Ein Ort, an dem queere, kinky, devote, dominante, exhibitionistische, verspielte oder fragile Seiten sichtbar werden dürfen. Ein Ort, an dem man nicht erst erklären muss, warum man Latex trägt, warum man an einer Leine laufen möchte oder warum ein Machtgefälle erotisch sein kann.
Aber derselbe Ort kann auch ein Fluchtpunkt sein. Ein Raum, in dem Schmerz übertönt, Einsamkeit übertanzt oder Unsicherheit sexualisiert wird. Genau deshalb ist es vielversprechend, dass der Film nicht nur Ekstase, sondern auch Einsamkeit, Sucht und biografische Brüche aufgreift.
Kink ist nicht automatisch Therapie. Aber Kink erzählt oft etwas über Verletzlichkeit. Und manchmal auch darüber, wie Menschen versuchen, aus Scham wieder Selbstbestimmung zu machen.
Warum dieser Film für die Kink-Kultur relevant ist
Für kinky-culture.de ist dieser Film spannend, weil er gleich mehrere Themen berührt, die in der Kink- und BDSM-Kultur immer wieder verhandelt werden: Sichtbarkeit, Konsens, Scham, Öffentlichkeit, Rollen, queere Räume, Körperbilder, Macht und Verantwortung.
Er könnte ein Film sein, der Menschen außerhalb der Szene einen Zugang gibt, ohne Kink nur als Kuriosität auszustellen. Und er könnte Menschen innerhalb der Szene daran erinnern, dass sexpositive Räume nicht nur aus Lust bestehen, sondern auch aus Arbeit: Awareness, Kommunikation, Respekt, Reflexion und der Bereitschaft, Kritik nicht sofort als Angriff zu verstehen.
Gerade in Deutschland wird über Kink oft in Extremen gesprochen. Entweder als Skandal, als Pathologie, als „zu viel“ – oder als reine Befreiungsutopie, bei der jede kritische Frage schon als prüde gilt. Beides greift zu kurz.
Ein Film wie „KitKatClub – Kinks of Berlin“ könnte genau in diese Lücke stoßen: Er zeigt möglicherweise nicht nur, dass Menschen ungewöhnliche sexuelle Vorlieben haben, sondern warum solche Räume für sie Bedeutung haben. Und er lädt dazu ein, die schwierige Frage zu stellen, wie viel Freiheit eine Szene verträgt, wenn sie wirklich erwachsen sein will.

Fazit: Kein Blick durchs Schlüsselloch, sondern ein Blick auf eine Kultur
„KitKatClub – Kinks of Berlin“ dürfte für manche Zuschauer*innen vor allem ein Film über Sex, Nachtleben und Berliner Exzess sein. Für andere könnte er mehr werden: ein Film über Menschen, die versuchen, ihre Scham abzulegen, ihre Körper neu zu bewohnen und in einer lauten Welt einen Ort zu finden, an dem sie nicht erklären müssen, warum sie anders sind.
Genau darin liegt die Chance dieses Dokumentarfilms. Nicht darin, den KitKatClub als exotischen Zoo zu zeigen. Sondern darin, Kink als Kultur sichtbar zu machen: widersprüchlich, erotisch, riskant, berührend, politisch, manchmal problematisch – und zutiefst menschlich.
Ob der Film diese Balance wirklich hält, wird sich im Kino zeigen. Aber schon jetzt ist klar: „KitKatClub – Kinks of Berlin“ ist mehr als eine Film-News. Es ist ein Anlass, über die Zukunft sexpositiver Räume zu sprechen. Über ihre Schönheit. Über ihre Zumutungen. Und über die Verantwortung, die entsteht, wenn Menschen Freiheit nicht nur fordern, sondern miteinander leben wollen.
Kurzinfos zum Film
Titel: KitKatClub – Kinks of Berlin
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Philipp Fussenegger
Produktion: avanti media fiction / FFFYEAH
Verleih Deutschland/Österreich: Farbfilm Verleih
Laufzeit: rund 96 bis 101 Minuten, je nach Angabe
FSK: ab 18 Jahren
FSK-Hinweise: Drogenkonsum, Sexualität
Kinostart Deutschland: nach aktuellem Stand 10. September 2026
Themen: KitKatClub Berlin, Kink, BDSM, Drag, Dog Play, Sexpositivität, Konsens, Freiheit, Scham, Clubkultur